Peergroup-Educartion zur Überwindung von Rassismus, Gewalt und Mobbing
In vielen pädagogischen Handreichungen sind Handlungsangebote für pädagogische Fachkräfte zur Überwindung von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Gewalt detailliert beschrieben.
Die Angebote, Anregung und auch Anleitungen dieser Handreichungen, Trainingsbücher, Programme werden in der Regel von Lehrer und Lehrerinnen für die Schüler/innen Umgesetzt, mit dem Ziel das System Schule erfolgreich auf Kurs zu halten, Unterricht möglich zu machen, den Lehrstoff an die Schülerschaft zu bringen und eine gute Atmosphäre zu schaffen. Das es sich in einem guten sozialen Klima besser lernt, ist mittlerweile bekannt. Nicht zuletzt deshalb widmet sich die Lehrkraft auch dem Themenfeld Soziales Lernen, Überwindung von Gewalt und .
Bei der Untersuchung der Wirksamkeit der Programme zur Überwindung von Gewalt und Mobbing, stellen sich aber die Fragen, wozu wünschen sich Schüler und Schülerinnen ein gutes Klassenklima, definieren sie die Merkmale eines guten Klassenklimas an den gleichen Standards wie die Lehrerschaft.
Sicherlich steht für die Schüler und Schülerinnen ihr persönlicher Erfolg an erster Stelle, sowohl bei den schulischen Leistungen als auch bei ihren sozialen Kontakten.
Der Erfolg des System Schule wird den meisten Schüler/innen eher egal sein.
Wenn doch Lehrkräfte und Schüler divergierende Ziel verfolgen, wieso verpflichten oder ermöglichen wir den Schülern und Schüler/innen nicht stärker ihr schulisches System selbständig zu gestalten und damit ihren schulischen und sozialen Erfolg selbst zu organisieren.
Im folgenden stelle ich eine Erweitung des Konzepts MIT (Mobbing-Intervention-Team) für die Schülerschaft vor. Dabei geht es darum Schüler als Peers fortzubilden um als sogenannte Gleichwertigkeitscoaches zur Überwindung von Mobbing und gruppenbezogener Menschfeindlichkeit in ihrem Schulsystem aktiv zu werden.
1. Der schwierige Umgang mit Vielfalt
Interessanterweise scheinen die meisten Menschen mit Unterschieden besser umgehen zu können als mit Vielfalt. Unterschiede geben einem Menschen nämlich Identität, Halt und Sicherheit. Über Vielfalt lässt sich die eigene Existenz dagegen nur ganz schwer bestimmen. Dies gilt in besonderer Weise für Jugendliche im Schulalltag, die erst am Anfang ihres Persönlichkeitsentwicklungsprozesses stehen. Es erscheint immer einfacher seine Person und seine Persönlichkeit durch Abgrenzung und Gruppenidentifikation und Gruppenzugehörigkeit zu definieren, als sich über die eigene Person und damit aus sich selbst heraus zu definieren Viele sind deshalb nur über die Wahrnehmung tatsächlicher oder vermeintlicher Unterschiedlichkeit des Gegenüber als Gegenpart in der Lage, sich selbst anzuerkennen.
Anerkennungs- und Gleichwertigkeitskultur als Schlüssel einer neuen Schulkultur
Je vielschichtiger und vielfältiger die Umwelt ist, desto vielschichtiger und vielfältiger sind die Konflikt- und Problemlagen. Dies erfordert die Entwicklung erweiterter Bildungskonzepte und Bildungsprozesse, die zur Verständigung der Menschen und zu mehr Sicherheit und Orientierung im Leben, in unserer Gesellschaft führen. Es ist wichtig, bereits in den Schulen Kinder und Jugendliche dafür zu gewinnen, aktiv und engagiert für Vielfalt, Demokratie und Integration einzutreten und jedweder Verfestigung von Vorurteilen entgegenzutreten. Nur wie? Persönliches Engagement und die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme kann eben nicht von oben „verordnet“ werden. Es bedarf zum einen einer besonderen Unterstützung von Lehrer/innen, Schülerinnen und Schüler. Sie fühlen sich Intoleranzerscheinungen, Vorurteilen, Ausgrenzung, Mobbing oder körperlicher Gewalt oft machtlos ausgesetzt. Viele wollen etwas ändern, etwas bewegen, etwas in Gang setzen. Sie wissen nur nicht genau wie. Manchmal fehlen Mitstreiter. Dann finden sich wieder keine Ansprechpartner in der Organisation Schule. Manchmal hat Eigeninitiative hinter schulinternen und schulexternen Vorgaben zurückzustehen. Teilweise treten bei der Projektetablierung unerwartete bisher versteckte Konflikte auf verschiedenen Ebenen (Lehrerschaft, Elternschaft, Schülerschaft) offen zu Tage, so dass über die Projektarbeit stellvertretend andere Konflikte ausgetragen werden. Zum anderen bedarf es in der Schule selbst einer besonderen eigenen von Anerkennung und Gleichwertigkeitsgedanken geprägten Schulkultur. Diese gilt es langfristig aufzubauen und zu etablieren. Nur wer Anerkennung (Wertschätzung, Liebe, Recht und Solidarität) erhält und insofern über eine positive Anerkennungsbilanz verfügt, der wird selbst möglicherweise eher dazu bereit sein., Gleichwertigkeit und Unversehrtheit aller Menschen zu respektieren, besonders von denjenigen, die die er als ''anders'' erlebt. Im Gegensatz dazu kann eine negative Ankerkennungsbilanz mit einer wachsenden Neigung dieses Menschen einhergehen, Überlegenheit und Macht mit menschenfeindlichem Verhalten zu demonstrieren.
Schule wird von Menschen und mit Menschen gemacht und gestaltet. Wenn diese Menschen motiviert sind ihre bisherigen Verhaltensweisen zu reflektieren, Handlungsalternativen zu erkennen, neue Verhaltensmuster zu lernen und das Erlernte schließlich auch an andere weiterzugeben bzw. vorzuleben, dann befindet sich Schule im
Veränderungsprozess. Die kontinuierliche Kompetenzentwicklung aller am Schulleben Beteiligten stellt daher auch ein Schlüsselelement für die eine Schulkultur der Anerkennung und Wertschätzung da. In der Unterschiedlichkeit eine Ressource und nicht ein Störfaktor ist und Inklusion selbstverständlich wird. Mut und Zivilcourage sind hier die besten Mittel um gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Mobbing für Gleichwertigkeit, Inklusion und Vielfalt zu kämpfen. Dabei sollte es Ziel sein, in der jeweiligen Schule einen Nährboden für eine Kultur der Anerkennung und einen Ort für konstruktiven Auseinandersetzung zu schaffen. So wird der Grundstein für ein System gelegt, in dem gemeinsames Hinhören, Hinsehen, Unterscheiden und Überprüfen was Sinn macht, Wert hat, als Regel taugt und deshalb für alle geltend zum Schulalltag gehören soll. So gelingt eine wirksame Prävention und nachhaltig Intervention bei Ausgrenzung, Gewalt und Mobbing in Schule.
Die konkrete Umsetzung
Zur Zielgruppe zählen Schulen die bereits über eine MIT verfügen und das Thema Überwindung von Mobbing und Gruppenbezogener Menschfeindlichkeit weiter voranbringen und institutionalisieren wollen.
Im ersten Schritt werden die Teilnehmer/innen insbesondere darin unterstützt, die gegenwärtige Konfliktlagen in ihrem sozialen (Schul-)Umfeld darzustellen, ernst zu nehmen und gemeinsam also Lehrer/innen und Schüler/innen tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Die konkrete Situation vor Ort kann anhand spezifischer Leitsätzen und Kriterien untersucht werden. Die Beteiligten bewerteten in einem Audit (ein Verfahren, mit dem festgestellt wird, mit welcher institutionellen Anerkennungskultur Kinder und Jugendliche in einer Schule konfrontiert sind) Stärken und Problemlagen und verabreden welche Entwicklungen zukünftig vollzogen werden sollte. In diesem gemeinsamen Handeln begegneten sich die Protagonisten gleichwertig und die Eigenschaften und Vorteile einer Anerkennungskultur wurden erfahrbar.
Im zweiten Schritt erarbeiten die ausgebildeten Schüler/innen und die Lehrer/innen des MITs ein Trainingskonzept zur Überwindung von Diskriminierung und Mobbing. Gemeinsam als Trainertandem trainieren sie dann Klassen im Themenfeld Mobbingprävention und Mobbingintervention.
Ausgehend von unterschiedlichen Erklärungsansätzen und Theoriebildungen steht im ersten Teil der Fortbildung das Erkennen, Benennen und die Wahrnehmung des Phänomens "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" in ihren Erscheinungsformen und Auswirkungen im Vordergrund. Die Entwicklung und Prüfung einer eigenen, auch konfrontativer Kritik standhaltenden Definition und Position zur Gruppen bezogenen Menschenfeindlichkeit öffnete den Weg für ein anschließendes Verhaltens- und Handlungstraining, in dem alle Teilnehmer/innen zeigen, dass sie über die Fähigkeit zur Reflexion und über ein Repertoire zur Überwindung von Gruppenbezogener Menschfeindlichkeit verfügen.
Von dem großen Thema der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit wird in der folgenden Sitzung Konkret auf das Phänomen Mobbing und Cybermobbing eingegangen
Wesentliche Bausteine der Fortbildung sind:
· Reflexion des eigenen Menschenbilds und Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen
· Erfahren und Erlernen von praktischen Methoden und rhetorischen Techniken für eine nachhaltige Bestandsaufnahme (u.a. Auditverfahren, Moderationstechniken),
· Förderung einer Anerkennungskultur in der Schule (u.a. Gesprächsführungs-, Motivations-, Konfliktlösungs- und Deeskalationstechniken zur Überwindung von Diskriminierungs-, Mobbing, Bedrohungs- und Gewaltsituationen)
· Förderung von positiven Gruppenprozessen
· Technische- , psychologische-, rechtliche Aspekte von Cyber-Mobbing
· Handlungsmöglichkeiten zur Überwindung von Cyber-Mobbing
· Bestandsaufnahme der Kultur des Umgangs im Miteinander in der eigenen Schule
· Entwicklung von Präventions- und Interventionsmöglichkeiten
· Erstellung eines Leitfadens, mit Ansprechpartnern zum Verhalten bei Mobbing
· Entwurf und Umsetzung eines Aktionsplans für die eigene Schule hin zu einer Kultur der Anerkennung
Möglicher Zeitplan zur Ausbildung der Schülertrainer
Im ersten Schulhalbjahr Qualifizierung der Schülerinnen
3 Trainingsmodule je 4 Uh durch Trainer und MIT (Mobbing Interventionsteam)
Zwischen Sommer und Herbst Reflexion, Bestandsaufnahme und Coaching der Schülergruppe
1 Trainingsmodul 4Uh mit Trainer und MIT
Reflexionstreffen 1Uh nach Bedarf mit MIT